
Shock Loss (auch „Shedding-Phase“ genannt) ist eine vorübergehende und vollkommen normale biologische Reaktion, die bei ungefähr 95% der Haartransplantationspatienten auftritt. Sie beginnt typischerweise 2 bis 4 Wochen nach der Operation und umfasst das Ausfallen der Haarschäfte aufgrund des natürlichen Traumas des Eingriffs. Keine Panik: Das Ausfallen dieser Haare bedeutet nicht, dass die Transplantation fehlgeschlagen ist. Die lebenden Follikel (Wurzeln) bleiben sicher unter der Haut verankert. Diese Phase endet in der Regel bis zum 3. oder 4. Monat, danach beginnt das dauerhafte, gesunde Haarwachstum. Es ist gewissermaßen ein „Reset-Knopf“ für den Haarzyklus, bevor die finalen Ergebnisse sichtbar werden.
Was ist Shock Loss (Shedding-Phase)?
Shock Loss ist das vorübergehende Ausfallen von Haarschäften (dem sichtbaren Teil des Haares) nach einem traumatischen Ereignis an der Kopfhaut, wie z. B. einer Haartransplantation. Er tritt auf, weil die Haarfollikel in eine Ruhephase wechseln, um sich zu schützen und zu regenerieren.
Die Wissenschaft dahinter: Telogenes Effluvium erklärt
Um Shock Loss zu verstehen, muss man den Haarwachstumszyklus kennen. Normalerweise durchläuft das Haar drei Phasen:
- Anagen: Wachstumsphase.
- Katagen: Übergangsphase.
- Telogen: Ruhephase (gefolgt von Ausfall).
Während einer Haartransplantation (egal ob FUE oder DHI) verursachen Entnahme und Implantation „Mikro-Traumata“ an der Kopfhaut. Dieser plötzliche Stress stößt die Haarfollikel aus der Wachstumsphase (Anagen) und zwingt sie vorzeitig in die Ruhephase (Telogen). Dieser Zustand wird medizinisch als telogenes Effluvium bezeichnet.
Ist Shock Loss normal oder ein Zeichen für ein Scheitern?
Er ist 100% normal. Tatsächlich erleben etwa 90% bis 95% aller Haartransplantationspatienten ein gewisses Maß an Shock Loss. Das ist kein Zeichen für ein Scheitern. Im Gegenteil: Es zeigt, dass der Körper natürlich auf den Eingriff reagiert und der Heilungsprozess begonnen hat. Der Körper stößt den alten Haarschaft ab, um Platz für ein neues, gesünderes Haar zu schaffen, das aus derselben Wurzel wachsen wird.
Der Unterschied zwischen dem Ausfallen von Haarschäften und dem Verlust von Wurzeln
Das ist die wichtigste Unterscheidung, die jeder Patient verstehen muss:
- Der Schaft: Das ist der sichtbare Haarstrang über der Haut. Das ist es, was ausfällt.
- Die Wurzel (Graft): Das ist das lebende Organ, das unter der Haut eingesetzt wurde. Das bleibt sicher an Ort und Stelle.
Stell es dir wie einen Baum im Winter vor. Der Baum verliert seine Blätter (die Haarschäfte) durch den Jahreszeitenwechsel (das Operationstrauma), aber die Wurzeln bleiben unterirdisch am Leben. Im Frühling (Regrowth-Phase) erscheinen neue Blätter. Wichtiger Hinweis: Du kannst am Ende des ausgefallenen Haares eine kleine weiße „Knolle“ sehen. Keine Sorge; das ist meist nur trockene Haut oder die Verankerung des Haarschafts — nicht das lebende Graft selbst.
Wann beginnt und endet Shock Loss? (Zeitplan)
Shock Loss beginnt typischerweise zwischen Woche 2 und Woche 4 nach der Operation. Er erreicht seinen Höhepunkt um Monat 2 und klingt meist bis Monat 3 oder 4 ab — danach beginnt das dauerhafte Wachstum.
Die ersten 2 Wochen: Die „Honeymoon“-Phase
Unmittelbar nach der Transplantation sieht das Haar oft großartig aus. Die implantierten Grafts sitzen, und die neue Haarlinie ist sichtbar. Wir nennen das die „Honeymoon“-Phase. In dieser Zeit verankern sich die Grafts im Empfängerbereich.
Woche 3 bis 8: Der Höhepunkt des Sheddings
Um die dritte Woche beginnt der Ausfall. Er kann schrittweise oder plötzlich auftreten. Du bemerkst eventuell Haare beim Waschen oder beim Berühren des Kopfes.
- Bis zum Ende von Monat 2 kann der Empfängerbereich dünn oder fleckig wirken.
- Du kannst aussehen wie vor der Operation. Das ist psychologisch der schwierigste Teil und wird oft als „Ugly Duckling“-Phase bezeichnet.
Wann fängt mein Haar wieder an zu wachsen?
Sobald die Shock-Loss-Phase endet (meist um den 3. oder 4. Monat), „wachen“ die Follikel aus der Ruhephase auf. Du wirst beginnen, dünne Babyhaare wachsen zu sehen.
- Monat 4–6: Deutliches Nachwachsen wird sichtbar.
- Monat 12: Du siehst die volle Dichte und das Endergebnis.
Arten von Shock Loss: Wo tritt er auf?
Shock Loss betrifft nicht nur die neu transplantierten Haare. Er kann in drei unterschiedlichen Bereichen auftreten: im Empfängerbereich (transplantierte Haare), in den umliegenden bestehenden Haaren (native Haare) und selten auch im Spenderbereich (Hinterkopf).
Shock Loss der transplantierten Haare (Empfängerbereich)
Das ist die häufigste Form des Sheddings. Wie in Teil 1 beschrieben, fallen die Haare aus, die vom Hinterkopf auf den Oberkopf versetzt wurden, weil ihre Blutversorgung während des Transfers kurzzeitig unterbrochen wurde.
- Ist das dauerhaft? Nein.
- Was passiert als Nächstes? Die Wurzeln bleiben, ruhen einige Monate und produzieren dann neues Haar.
Shock Loss der nativen Haare (bestehendes Haar)
Viele Patienten geraten in Panik, wenn ihr nicht transplantiertes, bestehendes Haar rund um den Implantationsbereich dünner wird. Das passiert, weil die „Nachbarschaft“ gestört wurde. Wenn neue Grafts zwischen bestehende Haare gesetzt werden, können die umliegenden nativen Follikel ebenfalls durch Entzündung und Veränderungen der lokalen Durchblutung in einen Schockzustand geraten.
- Ist das dauerhaft? In der Regel nein. Wenn die nativen Haare gesund waren (nicht miniaturisiert), wachsen sie wieder nach. Wenn die nativen Haare jedoch bereits schwach waren und sich aufgrund genetischen Haarausfalls dem Ende ihres Zyklus näherten, kann das Operationstrauma ihr ohnehin bevorstehendes Ausfallen beschleunigen.
Shock Loss im Spenderbereich (Hinterkopf)
Das ist seltener, aber möglich. Es zeigt sich als vorübergehende Ausdünnung oder fleckige Bereiche am Hinterkopf, dort wo die Grafts entnommen wurden.
- Warum es passiert: Meist verursacht durch „Over-Harvesting“ (zu viele Grafts aus einem Bereich entnommen) oder übermäßiges Trauma während der Entnahme.
- Erholung: Der Spenderbereich regeneriert sich meist schneller als der Empfängerbereich, da die Durchblutung hier stärker ist. Starkes Over-Harvesting kann jedoch zu dauerhaft fleckigen Stellen führen — was die Bedeutung einer erfahrenen Klinik wie Medifue unterstreicht.
Warum passiert Shock Loss? Die Hauptursachen
Shock Loss wird hauptsächlich durch Trauma an der Kopfhaut und eine vorübergehende Störung der Durchblutung (Vaskularität) ausgelöst. Der Körper priorisiert die Heilung der Haut vor dem Haarwachstum und zwingt die Follikel in eine Ruhephase.
Trauma an der Kopfhaut und reduzierte Durchblutung
Jeder Schnitt bzw. jeder Kanal, der während einer Haartransplantation geöffnet wird (ob mit Saphirklinge oder DHI-Pen), ist eine winzige Wunde. Wenn tausende solcher Mikrowunden gleichzeitig entstehen, kommt es zu Entzündungen. Um diese Wunden zu heilen, lenkt der Körper Energie und Blutfluss in die Hautreparatur. Die Haarfollikel erhalten kurzfristig weniger Nährstoffe und Sauerstoff und „fahren herunter“, um das Trauma zu überleben.
Der Einfluss von Anästhesie und Adrenalin
Während der Operation wird eine Flüssigkeitsmischung aus lokaler Betäubung und Adrenalin (Tumeszenzlösung) in die Kopfhaut injiziert.
- Adrenalin: Es verengt Blutgefäße, um Blutungen zu minimieren. Das ist für eine saubere OP notwendig, schränkt aber vorübergehend die Durchblutung der Haarwurzeln ein und trägt zum „Schock“-Effekt bei.
- Flüssigkeitsdruck: Der physische Druck der Flüssigkeit unter der Haut kann die Follikel ebenfalls komprimieren und die Ruhephase auslösen.
Hochdichtes Setzen (Dense Packing)
Wir alle wollen hohe Dichte — aber es gibt Grenzen. Wenn ein Chirurg Grafts zu eng setzt („Dense Packing“), kann die Blutversorgung in diesem Quadratcentimeter kurzfristig nicht ausreichen, um alle Wurzeln sofort zu versorgen.
- Das Risiko: Konkurrenz um die Blutversorgung führt dazu, dass die Follikel die Haarschäfte schneller abwerfen, um Energie zu sparen.
- Das Gleichgewicht: Ein erfahrener Chirurg kennt die optimale Dichte, um Ergebnisse zu maximieren und gleichzeitig Trauma und Shock Loss zu minimieren.
Hier ist Teil 3 des umfassenden Guides zu Shock Loss. In diesem Abschnitt wechseln wir vom „Warum“ zum „Wie“. Genau danach suchen Nutzer, wenn sie die Situation kontrollieren und die Erholung beschleunigen möchten.
Kann man Shock Loss verhindern oder minimieren?
Du kannst Shock Loss nicht vollständig verhindern, da es eine natürliche biologische Reaktion auf eine Operation ist. Du kannst jedoch die Intensität reduzieren und das Nachwachsen beschleunigen, indem du die Durchblutung verbesserst und die Haarfollikel mit den richtigen Nährstoffen versorgst.
Die Rolle von Medikamenten (Minoxidil & Finasterid)
Viele Chirurgen empfehlen bestimmte Medikamente, um die Haare in dieser empfindlichen Phase zu unterstützen.
- Finasterid: Dieses orale Medikament senkt den DHT-Spiegel (das Hormon, das für Haarausfall verantwortlich ist). Es ist besonders wirksam, um „Shock Loss der nativen Haare“ zu verhindern, indem es bestehende, schwache Follikel stärkt, damit sie durch das OP-Trauma nicht ausfallen.
- Minoxidil (Rogaine): Häufig ab 1 Monat nach der Transplantation empfohlen. Diese topische Lösung erweitert Blutgefäße (Vasodilatation) und erhöht die Durchblutung der Kopfhaut. Dadurch bleiben Follikel länger in der Wachstumsphase (Anagen) und können schneller aus der Ruhephase „aufwachen“. > Hinweis: Sprich immer mit deinem Haartransplantationschirurgen, bevor du diese Medikamente startest — das Timing ist entscheidend.
Vitaminpräparate (Biotin und Multivitamine)
Haar braucht „Treibstoff“, um sich neu aufzubauen.
- Biotin (Vitamin B7): Biotin gilt als „Haarvitamin“ und ist essenziell für die Bildung von Keratin, dem Protein, aus dem Haare bestehen. Hochdosiertes Biotin (oft 5000mcg oder 10000mcg) nach der OP ist eine Standardempfehlung.
- Zink und Eisen: Mängel dieser Mineralstoffe können das Shedding verlängern. Normale Werte helfen dem Körper, sich auf Nachwuchs statt auf „Überleben“ zu konzentrieren.
PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma)
PRP ist eine der effektivsten Methoden, um die Auswirkungen von Shock Loss zu reduzieren.
- Wie es funktioniert: Dein eigenes Blut wird entnommen, zentrifugiert, um heilende Blutplättchen zu konzentrieren, und anschließend wieder in die Kopfhaut injiziert.
- Der Vorteil: PRP ist reich an Wachstumsfaktoren, die Gewebe reparieren und Haarfollikel stimulieren. Eine PRP-Sitzung während oder unmittelbar nach der OP kann Entzündungen reduzieren und den Übergang vom Shedding zurück in die Wachstumsphase beschleunigen.
Die Bedeutung von sanftem Waschen und Massage
- Waschen: Das korrekte Entfernen der Krusten (meist um Tag 10–12) lässt die Haut „atmen“. Bleiben Krusten zu lange, können sie Poren blockieren und das neue Wachstum behindern.
- Massage: Sobald die Grafts vollständig gesichert sind (meist nach 1 Monat), kann eine sanfte Fingerkuppenmassage die Durchblutung der Kopfhaut verbessern und mehr Sauerstoff zu den sich erholenden Follikeln bringen.
Mythen vs. Fakten über Shedding nach der Transplantation
Online gibt es viel Fehlinformation, die unnötige Angst auslöst. Lass uns die Verwirrung mit Fakten klären.
Mythos: „Wenn die Haare ausfallen, ist die OP fehlgeschlagen.“
Fakt: Falsch. Shedding ist ein Zeichen dafür, dass der Körper heilt und der Haarzyklus sich zurücksetzt. Ob eine Transplantation erfolgreich ist, entscheidet sich daran, ob die Wurzeln überleben — nicht daran, ob die Schäfte haften bleiben. Du kannst den Erfolg erst nach mindestens 12 Monaten realistisch beurteilen.
Mythos: „Shock Loss ist dauerhaft.“
Fakt: Falsch. Shock Loss durch das OP-Trauma ist vorübergehend. Dauerhaft könnte er nur sein, wenn die nativen Haare bereits miniaturisiert waren und ohnehin bald ausgefallen wären (durch fortgeschrittene genetische Alopezie), oder wenn das Gewebe stark beschädigt wurde (Transektion). In erfahrenen Händen ist Shock Loss temporär.
Mythos: „Jeder verliert 100% der transplantierten Haare.“
Fakt: Falsch. Während die meisten Menschen etwa 80–90% der transplantierten Haare verlieren, erleben einige glückliche Patienten (etwa 5–10%) nur sehr wenig Shedding. In diesen seltenen Fällen wachsen die Grafts weiter, ohne in die Ruhephase zu gehen. Hier ist Teil 4, der letzte Abschnitt des umfassenden Guides zu Shock Loss. Dieser Teil beantwortet die typischen „High-Volume“-Fragen, die Nutzer bei Google eingeben, und schließt den Artikel mit einer beruhigenden Zusammenfassung ab.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hier sind kurze Antworten auf die häufigsten Sorgen während der Shedding-Phase.
Passiert Shock Loss bei DHI oder Sapphire FUE weniger?
Technisch gesehen sind DHI (Direct Hair Implantation) und Sapphire FUE so konzipiert, dass sie im Vergleich zu älteren Schlitzmethoden weniger Gewebeschäden verursachen. Da Saphirklingen kleinere, glattere Kanäle erzeugen und DHI-Pens eine Implantation ohne vorheriges Öffnen von Kanälen ermöglichen, wird das Trauma an der Kopfhaut reduziert.
- Fazit: Moderne Techniken wie bei Medifue können das Trauma und potenziell die Dauer der Heilung reduzieren, aber sie können die biologische Schockreaktion nicht vollständig verhindern. Du solltest auch bei DHI oder Sapphire mit Shedding rechnen — die Haut kann sich jedoch schneller erholen.
Kann Stress stärkeren Shock Loss verursachen?
Ja. Cortisol, das Stresshormon, signalisiert Haarfollikeln, in die Ruhephase zu wechseln.
- Der Rat: Postoperative Angst ist häufig („Habe ich etwas falsch gemacht?“, „Wird es wachsen?“). Allerdings kann Stress über das Shedding das Shedding sogar verschlimmern. Vertraue dem Prozess, halte dich an die Anweisungen deines Arztes und versuche, in den Erholungsmonaten ruhig zu bleiben.
Ich sehe eine weiße Knolle am ausgefallenen Haar. Habe ich das Graft verloren?
Das ist die Angst Nr. 1. Wenn du ein Haar im Waschbecken siehst, schau genau hin.
- Wenn es nur ein Haar ist: Alles gut.
- Wenn es eine weiße Spitze hat: Meistens ebenfalls alles gut. Diese weiße Spitze ist häufig nur die follikuläre Hülle (abgestorbenes Hautgewebe) oder die Verankerung des Haarschafts.
- Reality Check: Damit ein Graft (die Wurzel) herauskommt, gäbe es normalerweise Blutung. Wenn kein Blut da ist, sitzt die Wurzel sicher unter der Haut.
Beeinflusst das Tragen einer Mütze die Shedding-Phase?
Eine Mütze verursacht nicht direkt Shock Loss, aber Reibung kann in den ersten Tagen schädlich sein.
- Zeitplan: Vermeide Kopfbedeckungen in den ersten 10–14 Tagen, bis die Grafts verankert sind.
- Nach 2 Wochen: Du kannst eine locker sitzende Mütze tragen, um den „Shedding-Look“ zu kaschieren, aber achte darauf, dass die Kopfhaut atmen kann. Zu viel Hitze und Schweiß können ein ungesundes Hautmilieu erzeugen.
Fazit: Geduld ist der Schlüssel zum Endergebnis
Shock Loss zu verstehen ist der beste Weg, damit umzugehen. Er ist keine Komplikation — er ist eine physiologische Notwendigkeit. Deine Kopfhaut muss das Alte abwerfen, um das Neue aufzubauen. Zusammenfassung der Reise:
- OP-Tag: Die Samen werden gepflanzt.
- Woche 2–8 (Shock Loss): Der Winter kommt. Die Blätter fallen, aber die Wurzeln bleiben am Leben.
- Monat 3–4: Der Frühling beginnt. Kleine Triebe erscheinen.
- Monat 6–12: Der Sommer ist da. Volles, dauerhaftes Haarwachstum ist sichtbar.
Wenn du gerade in der „Ugly Duckling“-Phase bist, schau in den Spiegel und erinnere dich: Das ist vorübergehend. Die Wurzel ist sicher, die Durchblutung kehrt zurück und dein dauerhaftes Haar bereitet sich darauf vor, ein Leben lang zu wachsen.




